Ältere Damen und Herren sind nicht immer davor gefeit, sich in jüngeren Kleidern zu präsentieren, als ihnen gut tut. Die Hülle ist dann zwar jung, das, was drin steckt, jedoch in die Jahre gekommen. Auch die Kosmetik hilft nur begrenzt das zu vertuschen, was die Zeit verursacht hat: das Altwerden.
Von seinem Alter her gehört der Kirchenchor St. Mariä Himmelfahrt nun wirklich zu den Senioren. Er hat nicht nur zwei Weltkriege er- und überlebt, er hat auch schon den deutsch-französischen Krieg und den preußischen Bismarck kommen und gehen sehen. Selbst in seiner Heimatstadt ist er älter als die Kirche, in der er singt. Er kennt noch die alte Marienkirche, in der er einst gegründet wurde und gesungen hat. Und – ist er heute klapprig und dement? Ist er in die Jahre gekommen, in denen man am besten seine Stimme schweigen läßt und den Gesang anderen überläßt? Nein – im Gegenteil. Alles, was der Chor schon vor 150 Jahren tat, das tut er auch heute noch. Und er braucht dazu keine Verjüngungsstrategie und keine Frischzellenkur, muß sich nicht jugendlich „anhübschen“, um auch heute noch tatkräftig und aktiv zu sein. Dies liegt in der Natur der Sache.
Denn die Musica Sacra ist eine zeitlose Musik. Sie dient sich nicht dem Geschmack der Massen an und auch nicht den Trends einer bestimmten Zeit. Sie will Gott dienen und darin ist sie ungebunden und frei, wie das Jubilieren der Vögel, in deren Gesang das Lob des Schöpfers erklingt – ohne Worte und Belehrungen – allein für Ihn, der allen Lobes würdig ist. Möge das Jubiläumsjahr darum in erster Linie ein „Jubel-Jahr“ sein, in dem aufs Neue die Bedeutung der klingenden Seite der Liturgie ins Bewußtsein dringt. Denn Gott mag Chöre! Er ist stets von Ihnen umgeben – sagt die Heilige Schrift. Die Engel und Erlösten im Himmel singen immerdar sein Lob. Christus hat sie mitgebracht, als Er zur Welt kam. Darum sind die Chöre auf Erden das Abbild der singenden Engel. Darin werden sie niemals alt oder gar überflüssig. Ich wünsche dem Chor von St. Marien noch viele Jahre zeitloser Kunst und für sein Festjahr den Segen Gottes!
Die Zeit treibt die Zeit an - sie fliegt. Dieses Gefühl stellt sich vor allem immer dann ein, wenn die Zeiten schön sind, wenn das, womit man die Zeit füllt, wohltuend und angenehm ist.
Der Kirchenchor St. Mariä-Himmelfahrt feiert sein 150-jähriges Bestehen. Wo ist die Zeit geblieben? Zum einen in den Archiven - in Niederschriften, Fotos, Dokumenten. Das ist richtig und wichtig. Archive sind notwendige Stützen und Spickzettel unserer Erinnerung. Sie speichern wertvolle, erinnerungswürdige Ereignisse und sind zuverlässige Zeitzeugen längst vergangener oder auch in Vergessenheit geratener Zeiten. Zum anderen und vor allem aber ist die Zeit in den Menschen geblieben. Sie lebt in den Herzen der Menschen weiter und treibt diese an, vergangene Zeiten weiterzugeben, davon zu erzählen. Gerade langjährige Kirchenchormitglieder können „ein Lied davon singen“. Oft hört man: Es waren schöne Zeiten!
Mein Dank gilt deshalb an dieser Stelle insbesondere all jenen Sängerinnen und Sängern, die schon viele Jahre und Jahrzehnte das Wort der Liturgie zum Klingen bringen, die den Kirchenchor durch ihre unermüdliche, dauerhafte Präsenz mit - und weiter getragen haben. Danken möchte ich auch allen Freunden und Förderern, die durch ihre segensreiche Unterstützung nicht unwesentlich zum Erhalt des Kirchenchores beitragen.
Mein Gruß gilt schon jetzt allen Chören und Musikgruppen, die das Jubiläumsjahr konzertant bereichern werden.
Allen ein ereignisreiches, harmonisches Jubiläumsjahr
Cantate Domino canticum novum! - Singt dem Herrn ein neues Lied!
Singt,denn eshält Leib und Seele zusammen! Gleichzeitig ist Singen eine der höchsten menschlichen Ausdrucksformen ohne jegliches Werkzeug überhaupt. Singen diszipliniert, kultiviert und bildet den Menschen – besonders das Singen in der Gruppe fordert und fördert ein gutes gemeinschaftliches Miteinander.
… dem Herrn zu singen ist der beste aller Gründe. Viele schöne und künstlerisch höchst anspruchsvolle Lieder und Arien besingen die Liebe und alle anderen Facetten menschlichen Lebens. Aber wer ist der Adressat? Welchen Zweck erfüllen sie, außer den Zuhörer zu unterhalten und ihn von eben jenen Sorgen und Nöten des eigenen Lebens abzulenken, die sie besingen? Wer dem Herrn singt, weiß, daß er gehört wird, weiß, daß er im gesungenen Gebet zum Ausdruck bringen kann, was das gesprochene Wort oft nicht auszudrücken vermag.
… ein neues Lied. Das Zitat aus Psalm 149 meint sicher nicht ein Lied, das erst kürzlich dem Gedanken eines Komponisten entsprungen ist. Jedes Lied ist neu, wenn wir es zu erarbeiten, zu verstehen und zu interpretieren versuchen. Es ist neu, weil es uns verändert und „neu“ macht, weil wir es durch die sich wandelnden Zeiten tragen, in denen es immer anders gesungen und gehört wird. Der Grundgedanke bleibt dabei immer derselbe: Wir loben, preisen und danken Gott. In diesem Sinne möchte ich alle ermutigen, sich mit uns auf den Weg zu begeben und danke meinen Choristen herzlichst für ihr großes Engagement.
1860 – 1880 Karl Hubert Paul Holz 1880 – 1922 Heinrich Josef Hinzen 1922 – 1923 Heinrich Meyer (vertretungsweise) 1924 – 1925 Hubert Heinrich Plum (vertretungsweise) 1926 – 1967 Jakob Wolter 1967 – 1968 Dieter Schlicker (vertretungsweise) 1968 – 1990 Richard Kraum 1991 Johannes Becker (vertretungsweise) 1991 – 1994 Andrea Nell 1994 Johannes Becker (vertretungsweise) 1994 – 1995 Nicole Franke 1995 – 1997 Andrea Leersch – Krüger 1997 – 1999 Erich van der Meulen Seit 1999 Andrea Nell