Katholische Pfarrgemeinde St. Gertrud Herzogenrath
 

Pfarrwallfahrt zur hl. Gertrud von Nivelles

In einem Jahr, in dem man des 900jährigen Bestehens einer Pfarrei gedenkt, ist eine Fahrt zum Grab der Schutzpatronin und Namensgeberin der Kirchengemeinde mehr als ein Ausflug.

Es ist der spirituelle Höhepunkt im Laufe des von besonderen geistlichen, musikalischen und profanen Besonderheiten gespickten Jubeljahres; der Punkt des Innehaltens und Nachdenkens über den Grund und den Ursprung aller Festesfreude; der Punkt vor allem der Anbetung Gottes und der Verehrung einer großen Heiligen, des Dankes, aber auch der Bitte in vielerlei Anliegen.

Zu diesem Zweck brachen wir am Samstag, dem 5. März 2016, gegen 9.00 Uhr nach der Missa Tridentina in St. Marien von dort mit einem Bus voller Gläubigen auf. Gut ausgerüstet mit dem Reisesegen fuhren wir gen Westen – vom angekündigten Regen noch verschont. 

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Die etwa zweistündige Busfahrt ins 165 km entfernte Nivelles verkürzte uns unser geistlicher Begleiter Pastor Dr. Rodheudt durch interessante Informationen über unser Ziel: das reizvolle Städtchen und das Leben und Wirken der heiligen Gertrud.

Nivelles ist eine Provinzstadt mit knapp 28.000 Einwohnern in der Region Wallonien in Belgien. Die schon weit vor Christus dünn besiedelte und landwirtschaftlich nutzbar gemachte Gegend gewann erst durch die Gründung des Klosters für die gesamte Umgebung an Bedeutung.

Im Jahr 640 n. Chr. starb Pippin der Ältere (auch Pippin von Landen), der das Amt des Hausmeiers unter den Merowinger-Königen des Frankenreiches innehatte. Mit seiner Gattin Iduberga von Nivelles hatte er vier Kinder, unter ihnen Begga, aus deren Linie etwa 100 Jahre später Kaiser Karl der Große hervorgehen sollte. Nach dem Tod des Gatten Pippin bat Bischof Amandus von Utrecht die Witwe, ein Kloster zu errichten. Iduberga (auch Itta) kam diesem Wunsch nach und gründete das Kloster Nivelles im Südbrabant, etwa 25 km südlich von Brüssel gelegen. Gemeinsam mit ihrem jüngsten Kind, der damals 14jährigen Tochter Gertrud, trat die Mutter als erste in ihre Klostergründung ein, die den Regeln des hl. Benedikt von Nursia folgte, – so die übereinstimmende Geschichtsdarstellung vieler Historiker. 

Das Klosterleben war für die junge Gertrud keineswegs der erste Schritt auf einem geistlichen Weg. Schon in ihrer Kindheit, die sie wohl auf einer Königspfalz der Merowinger verbracht hatte, zeigte sich ihre große Christusliebe und ihre innige Frömmigkeit. Als junges Mädchen lehnte sie die standesgemäße Hochzeit mit dem fränkischen Herzog Rigulf vehement ab. Stolz soll sie verkündet haben: „Nicht diesen, nicht einen anderen. Ich schwöre, daß ich keinen zum Gemahl haben werde als allein Christus, den Herrn.“

Im Jahr 652 starb die Mutter Iduberga und Gertrud wurde 26jährig Äbtissin des Klosters. Man spricht von ihr als einer hochgebildeten Frau mit herausragenden Bibelkenntnissen, die sie vor allem durch Lektüre theologischer Bücher, die sie eigens aus Rom kommen ließ, und durch irische Mönche, die sie nach Nivelles berief, erworben hatte. Neben der Bildung ihrer Schwestern lag ihr besonders die Sorge um Kranke und Sterbende am Herzen. Jeden Tag legte sie einen langen Fußweg zurück, um ihnen allen in den schwersten Stunden ihres Lebens beizustehen. Daneben betreute sie auch Witwen, Gefangene und Pilger und gründete eines der ersten Pilgerhospize.

Durch ein Leben, das ganz zur Ehre Christi auf das Wohl der Nächsten und der Leidenden ausgerichtet war, verzehrten sich Gertruds eigene Kräfte sehr früh. Die „Monumenta Germaniae Historica“ vermerkt, daß irische Mönche in ihrer Nähe waren, als sich ihr Tod abzeichnete. Sie sollen der Sterbenden Mut zugesprochen haben, indem sie ihr prophezeiten, daß der hl. Patrick, der irische Nationalheilige und Patron Irlands, sie an seinem Gedenktag an der Himmelspforte empfangen und sie zu Christus geleiten würde. Und tatsächlich verstarb Gertrud wie vorhergesagt am 17. März 659.

Gertrud wurde in ihrem Kloster bestattet. Sehr bald setzte ihre Verehrung als Heilige ein: Wie man zu ihren Lebzeiten auf ihre Hilfe und ihr Gebet in Notlagen vertraut hatte, kamen nun viele zu ihrem Grab, um ihren Beistand in allen erdenklichen Anliegen zu erflehen. Ihrer Gebetskraft und ihrer Bedeutung in der Verehrung durch die Gläubigen Rechnung tragend wurden die Gebeine der heiligen Gertrud 1298 in einen gotischen Reliquienschrein umbettet. Dieser wurde allgemein zugänglich in der im Jahr 1046 geweihten Stiftskirche in Nivelles aufgestellt.

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Auf dem Bild ist nur eine Nachbildung des Schreins zu sehen, denn die wertvolle Außenhülle des Originals wurde 1940 bei einem Bombenangriff im Zweiten Weltkrieg leider völlig zerstört. Von der Stiftskirche selbst blieben nur die Außenmauern stehen. Das gesamte Dach und fast die komplette Ausstattung des Innenraumes fielen einem großen Brand zum Opfer. Diese Aufnahme aus Nachkriegstagen läßt die Schäden erahnen.

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Zum Glück entschied man sich für einen Wiederaufbau des romanischen Baus nach ursprünglichem Vorbild, der als Prototyp der Monumentalbauten der karolingischen Tradition gilt. So zeigt sich heute die gesamte Klosteranlage mit der Stiftskirche als Zentrum des Städtchens Nivelles als Anziehungspunkt für Wallfahrer und Touristen.

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Brunnen Fontaine du Perron aus dem Jahr 1523 auf dem Platz vor der Kirche

Als wir nach ruhiger Fahrt gegen 11.00 Uhr das Zentrum von Nivelles erreichten, war unsere Perspektive auf die Stiftskirche St. Gertrud eher diese. Nur die Straßen rund um die Kirche waren nicht menschenleer, sondern ein bunter Markt mit allerlei Frischem und herrlich duftenden belgischen Fritten empfing uns freundlich. Doch die leiblichen Genüsse mußten noch ein wenig warten, denn unser Reiseleiter sammelte uns zunächst auf dem Vorplatz der Kirche, am mächtigen Westwerk, um uns zum eigentlichen Ziel unserer Fahrt zu führen: der Ruhestätte der heiligen Gertrud.

 

 

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Gespannt und neugierig auf das Innere dieses beeindruckenden Baus erzählte uns Pastor Rodheudt, daß die Situation der Kirche Belgiens eine recht schwierige sei, weil auch sie unter dem allgemeinen europäischen Trend des Gläubigenschwundes enorm leidet. Da es in Belgien keine verpflichtende Abgabe in Form einer Kirchensteuer gibt, können Gotteshäuser oft nicht adäquat instand gehalten werden. Bei historisch wertvollen Gebäuden tritt der belgische Staat dafür ein, doch die Betreuung während der Öffnungszeiten muß durch ehrenamtlich Engagierte geleistet werden. Ein schwieriges Unterfangen, weshalb wir sehr dankbar für die herzliche Aufnahme vor Ort waren. Wir betraten das Innere und fanden einen hellen, sehr aufgeräumten und sauberen Kirchenraum mit wohlgeformten Proportionen und interessanten Lichtverhältnissen vor.

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Blick von hinten nach vorn

 

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An der geraden Rückwand der Chorhalle befindet sich ein Ädikula, ein Bau ähnlich einer kleinen Säulenhalle mit einem oben aufgesetzten, goldverzierten „Haus“, das die überwiegende Zeit des Jahres den Schrein der hl. Gertrud beherbergt. Dieser Aufbau ermöglicht ein Unterschreiten der hl. Gebeine – ein Zeichen der besonderen Wertschätzung und Verehrung. Es führt keine Treppe zur oberen Ebene, so daß der Schrein der Heiligen, bevor er bei Prozessionen durch die Straßen getragen werden kann, mühsam mit viel Kraft und Vorsicht nach unten gehoben werden muß. Am Tag unseres Besuchs befand sich der Sarg aber nicht im Ädikula, sondern in einer Kapelle im rechten Querhaus. Das gab uns die Möglichkeit, ihn aus aller Nähe zu betrachten und unserer verehrten Pfarrpatronin sehr nahe zu sein.

 

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Nach der Zerstörung des alten wurde in den 1990er Jahren vom Künstler Félix Roulin ein neuer Schrein unter Verwendung noch aufgefundener Fragmente seines Vorgängers angefertigt. Es entstand dabei kein Kunstwerk, das dem historischen Vorläufer in seiner meisterlich filigranen Ausformung ebenbürtig sein wollte und die Folgen der Kriegsschäden zu überdecken versucht, sondern eine in zeitgenössische Formsprache gegossene plastische Anschauung der Auswirkungen von Krieg, Machtstreben, Habgier und Egoismus. Die geschlossene Form als nüchterner Edelstahl-Quader zeigt nackt-kalte Seitenflächen mit den an Kopf-, Fuß- und Oberseite versprengt angeordneten fragmentarischen Überresten seines Vorgängers. Mit den im unteren Drittel beidseitig angebrachten Tragegriffen wirkt er wie ein funktional konzipierter Transportsarg. Es drängt sich der Eindruck des Rückzugs ins Hoffnungslose auf, dem Ausgeliefertsein an menschliche Grausamkeit und an den Tod als einem unausweichlichen Muß für alles Lebendige.

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Öffnet man die nach unten klappbaren, symmetrisch angeordneten oberen Seitenteile, entsteht eine weich geschwungene, an ein Kirchendach erinnernde Form, die den Blick auf beidseitig angeordnete, aus 32 Silberplatten bestehende Bilderzyklen freigibt. Einblicke in den Alltag der hl. Gertrud durch die Darstellung von Dingen, die für ihr Leben und Wirken besonders kennzeichnend waren, eröffnen dem Betrachter einen andersartigen Blick auf den Sinn des Lebens und des Todes: alltägliche Gegenstände, wie eine Spindel, eine Schere, eine Bibel, ein Zirkel, Gerätschaften und Gebrauchsgegenstände aus der Zeit um 650 und weitere Utensilien werden in der Hand der Gottesfürchtigen zum Werkzeug des Guten, zu Instrumenten der Überwindung von Trauer und Hoffnungslosigkeit und verweisen so – mahnend, aber auch die Zuversicht des Beobachters stärkend – auf das Bleibende, das Unvergängliche, das demjenigen in der Ewigkeit zuteil werden wird, der sich im Leben um wahre Heiligkeit vor Gott gemüht hat. Die Sorge um den Aufbau der Kirche als den mystischen Leib Christi, die Mühe um die wahrheitsgetreue Weitergabe des Glaubens, der treue Dienst am Nächsten zur höheren Ehre Gottes und nicht zuletzt eine innige Gottesbeziehung in einem intensiven Gebetsleben formen den Charakter zur Christus-Ähnlichkeit, die zur letzten Vereinigung mit dem Allerhöchsten in der Kommunion des Himmels befähigt.

Gemeinsam hielten wir eine Statio vor der Kapelle unserer verehrten Pfarrpatronin, beteten das neu entstandene Weihegebet und brachten für unsere ganze Pfarrei die aus Herzogenrath mitgebrachte und vor Ort geweihte Kerze als Opfer dar.

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Im Anschluß daran hatte jeder Teilnehmer die Möglichkeit, direkt am Schrein der hl. Gertrud ihre Fürsprache vor Gott zu erbitten und die ihm ans Herz gelegten Anliegen ihrer Fürbitte anzutragen. Es lohnte sich, danach noch in der Kapelle zu verweilen und einen Blick auf die den Schrein umgebende Ausstattung der Kapelle zu werfen, denn die einzelnen Elemente – allesamt sehr schön und geschmackvoll angeordnet – zeigten einen je eigenen Aspekt der Heiligen, ihrer Herkunft und ihres Lebens.

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Nach dem innigen Gebet und reichlich dargebrachten privaten Kerzenopfern wurden wir in die Mittagspause entlassen, die jeder nach persönlichem Gusto gestalten konnte. Wer sich noch rund um Kirche und Klosteranlage umgesehen hat, ist bestimmt auf den „Jacque“ oder „Jacquemart“ am Südturm der Kirche aufmerksam geworden: eine ca. 2 Meter hohe und etwa 350 kg schwere Plastik eines mittelalterlichen, mit einem Hammer bewaffneten Kriegers aus vergoldetem Messing, die um das Jahr 1400 entstanden ist. Sie erinnert an die in früheren Zeiten auf hohen öffentlichen Gebäuden und Aussichtspunkten stationierten Soldaten, die bei Annäherung des Feindes Alarm schlugen. Auch diese Figur zierte zunächst den Turm des Rathauses, bis die Stadt Nivelles sie dem Stift schenkte, wo sie nun seit 1617 den Einwohnern im Stundenschlag Tages- und Gebetszeiten kündet. Seit dieser Zeit wird der Stunden-Wächter von den Einheimischen liebevoll „Jean de Nivelles“ genannt in einem Akt der Antizipierung der historischen Persönlichkeit „Jean de Nivelle“. Dieser soll im 15. Jahrhundert seinem Vater die Gefolgschaft zum Kriegseintritt gegen Ludwig XI. verweigert haben, woraufhin er von diesem enterbt und als ein „Hund“ im Sinne eines Angsthasen beschimpft wurde.

 

 

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Doch im Laufe langer Jahre wurden viele Sagen ersonnen, die die Wortbedeutung verdrehten, so daß aus dem tierisch Betitelten der „treue Hund des Jean von Nivelle“ wurde. So mutierte der Angsthase zum echten Tierfreund, der sich großer Beliebtheit im Volk erfreute und für wahrhafte Treue stand. Auch der Hund verselbständigte sich in der bildenden Kunst. Formschöne Darstellungen finden sich an der Fassade des Gerichtsgebäudes ebenso wie am westlichen Eingang zum Rathaus, durch den man zum Trausaal des Standesamtes gelangt. Beobachtet man frisch vermählte Paare, so erschließt sich aus diesen Geschichten die Bedeutung des Brauches, nach der Trauung den „treuen Hund des Jean de Nivelle“ zu streicheln für wundervolle Flitterwochen und eine gelingende Ehe.

 

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In der wallonischen Sprech- und Schreibweise seines Namens „Djan d’ Nivèle“ kann man der historischen Persönlichkeit in einer der zahlreichen Lokale oder Gaststätten begegnen, denn es gibt ein Bier seines Namens, das durch die Bruderschaft Jean de Nivelles vertrieben wird und an die reiche Tradition der Bierbrauer in dieser Gegend erinnert.

 

Nach einer leiblichen Stärkung – vielleicht durch die Spezialität Târte Al Djote, einer Art Fladen mit Käse und Mangold – trafen wir uns nach der Mittagspause wieder in der Stiftskirche, um gemeinsam unsere Seelen in der Feier der hl. Messe zu stärken. Zum hl. Meßopfer wurde uns das Herzstück der Kirche zur Verfügung gestellt – die Sakramentskapelle. Pastor Rodheudt zelebrierte an einem kleinen Altar, der hinter dem Gitter auf dem Teppich plaziert war. Die Gemeinde nahm auf Stühlen davor Platz, durfte aber auch das wunderschöne, ringsum angeordnete Chorgestühl aus dem Jahr 1566 benutzen und damit ein wenig Klosteratmosphäre schnuppern, wovon auch reichlich Gebrauch gemacht wurde.

 

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Es handelt sich um ein Chorgestühl von besonderem künstlerischem Wert mit einem Detailreichtum, der seinesgleichen sucht. Die dekorativen Elemente sind dem für die damalige Zeit typischen heidnischen Bildrepertoire entnommen. Bei der Abschaffung des ansässigen Kapitels Ende des 18. Jahrhunderts wurden die Chorstühle an verschiedene Orte verstreut, aber später durch den Kunsttischler Christian Patriarche restauriert und auf die Räumlichkeiten der Sakramentskapelle angepaßt.

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Für die Predigt der Messe wählte unser Pastor in der ihm eigenen geistvollen Art als Aufhänger abermals einen sehr pointierten Leitgedanken: Die Maus – ein dem aufmerksamen Beobachter aller Veröffentlichungen des Jubiläumsjahres längst vertrautes Motiv. Was auf den ersten Blick daherkommt wie ein auf kindliche Aufmerksamkeit zielender Textschmuck, birgt auf den zweiten Blick viel mehr an Inhalt: sie verbindet die hl. Gertrud über die langen Jahrhunderte hinweg mit unserer Zeit.

 

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Durch ihr intensives Gebet hat Gertrud einer Mäuseplage Einhalt geboten und mit Hilfe göttlicher Fügung die hungrigen Nager von der Ernte des Jahres ferngehalten, so daß die Bewohner der Umgebung nicht einen qualvollen Hungertod sterben mußten. Deshalb findet man als Attribut der hl. Gertrud bei vielen ihrer Darstellungen irgendwo kleine Mäuse, oft am Stab der Äbtissin hochkletternd.

 

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Auch wenn die technischen Möglichkeiten es heutzutage zulassen davon zu reden, daß der Menschheit selbst massenhaft in Erscheinung tretende Nagetiere in Sachen Ernährungsversorgung nicht mehr gefährlich werden können, so sind wir doch weit davon entfernt, nicht anderen Plagen und Zwängen ausgesetzt zu sein. Genau an diesem Punkt gilt es für uns Heutige zu reflektieren, wie die Menschheit insgesamt – aber auch jeder einzelne – mit diesen modernen Knechtschaften (gerne auch Streß genannt) umgeht, welcher Mittel wir uns bedienen, um Notlagen und Prüfungen Stand zu halten. Leider steht da auch bei vielen Christen das Gebet weit hinten in der Rangliste. Hier gilt es, vom Vorbild der großen Heiligen zu lernen und wieder ganz neu auf die Macht des Gebetes und die Fürsprache aller Heiligen zu vertrauen – Tätigkeiten, die den meisten weltgewandten, aufgeklärten Zeitgenossen in ihrem Vertrauen auf die Fähigkeiten der Wissenschaft leider zum großen Teil abhanden gekommen sind.


Wir danken Pastor Rodheudt für die mit seiner Predigt verbundene Ermutigung zum Vertrauen auf Gott und zur Zuversicht auf die Fürsprache der hl. Gertrud und sehen uns besonders als glaubende Gemeinschaft dazu gerufen, gerade für diejenigen zu beten, die es selbst nicht mehr vermögen, weil sie von Glaube und Kirche entfremdet sind.


Es waren einfache Gemeindelieder des "Gotteslobes", die unsere Meßfeier in der Sakramentskapelle der Stiftskirche musikalisch ausschmückten, wofür wir aber hinterher von Einheimischen sehr gelobt wurden, weil es dort für ein gemeinsames Singen kirchlicher Lieder im Gottesdienst keine Tradition gibt und man sich deshalb sehr beeindruckt von den schönen Klängen unseres gemeinsamen Gesanges zeigte.

 

 

Weihegebet zur hl. Gertrud von Nivelles als PDF hier.

 

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Nach der sehr innigen Meßfeier blieb noch ein wenig Zeit, um in der Kirche zu verweilen. Diejenigen, die betrachtend durch die einzelnen Schiffe des Gotteshauses liefen, trafen nahe des Eingangs auf einen Raum, in dem eine schöne Kanzel und beeindruckende Heiligenfiguren standen. Diese waren aus einer Kirche, die geschlossen und entwidmet worden war, hierher gebracht worden, damit sie nicht verlorengehen. Dabei entdeckte einer der Pilger auch diese völlig neue Interpretation des Petrus-Stuhles; im Bild rechts.

Das rechte Seitenschiff ist der Standort einer großen, historischen Kutsche. Wir erfuhren, daß auf ihr der Schrein der hl. Gertrud ruht, wenn die halbe Stadt einmal im Jahr auf den Beinen ist, um den ca. 15 km langen Weg, den die große Ordensfrau tagtäglich zu Kranken und Sterbenden genommen hat, im Gedenken an sie nachzugehen und ihre Gebeine, sowie die Statuen aus der Kirche mitführt. „Tour de Nivelles“ nennen die Stadtbewohner das Ereignis, zu dem jährlich auch tausende Besucher aus dem Umland in das ehemalige geistliche Zentrum kommen – einmal wegen des einmaligen Volksfestes, zum anderen aber auch, um der hl. Gertrud die Ehre zu erweisen.

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Die Fahrt nach Hause dauerte aufgrund heftiger Regenfälle ein wenig länger. Das gab uns die Gelegenheit, das Erlebte zu bedenken und in den Zusammenhang mit unserem Jubiläumsjahr „Gertrud 900“ zu stellen.

Rückblickend betrachtet darf sich die ganze Pfarrei sehr glücklich schätzen, auf eine so lange Tradition zurückblicken zu können. Glücklich dürfen wir auch sein angesichts der Tatsache, daß bei der Fusion im Jahr 2005 der Name „St. Gertrud“ für die aus der Verschmelzung von St. Gertrud, St. Mariä Himmelfahrt und St. Antonius entstandene Großpfarrei von den Vertretern der Gremien ausgewählt wurde. Ein Name schafft Identität. Er dient nicht allein dazu, nennbar zu machen, sondern vor allem dazu, der Gemeinschaft der Glaubenden einen festen Anker in der Fürsprache bei Gott zu geben. Im Namen dieser großen Heiligen können wir uns jederzeit unter dem Kreuz und am Altar Christi versammeln in der Gewißheit, daß sie an unserer Seite ist.

Wie schön ist es, die hl. Gertrud am Thron Gottes stehend zu wissen, die schützend ihre Hand über uns alle hält und wie wertvoll ist es, ihre Wirk- und Ruhestätte als einen Anlaufpunkt in der Nähe zu haben, zu dem man jederzeit und in allen Anliegen kommen darf.

Wir danken den Mitgliedern der Gremien für ihren Weitblick. Wir danken besonders unserem Pastor G. Rodheudt für alle seine Mühen – nicht nur während dieser Fahrt. Wir hoffen, daß uns die hl. Gertrud auch weiterhin gewogen bleibt und erbitten auf ihre Fürsprache allen Segen des Himmels für unsere Pfarrei und unsere Stadt.

Gertrud-Gedicht

Maus

 

 

 

 

 

 

Es ist schon sehr, sehr lange her,
eintausend-vierhundert Jahre ungefähr,
da sah ein Bauer eine Maus
und dachte bei sich: „Ei, der Daus!
Die muß ich fangen, das ist klar,
sonst ist die Ernte in Gefahr!
Denn eine Maus ist – ohne Frage –
der Anfang einer Mäuse-Plage!“

Mit Messer und Axt, mit Pfeil und Bogen
ist der Bauer losgezogen,
um zu erlegen seinen Feind.
Es war auch sicher gut gemeint;
die kleine, schlaue Maus jedoch
verkroch sich rasch im Mauseloch.
Davor der Bauer schrie: „Komm raus,
gleich hab ich dich, du kleine Maus!“
Doch die saß in der Erde tief;
der Bauer setzte sich und schlief.

Das kleine Mäuschen – gar nicht ängstlich –
war nicht untätig und denkt sich:
„Ich hole Verstärkung, hole noch mehr,
dann fallen wir alle über die Ernte her!“
Sie rückten aus, geschätzte zwei Millionen Nager,
und besetzten die Getreidelager.

Der Bauer schlug Alarm im Ort:
„Die vielen Mäuse müssen fort!
Die hören nicht mehr auf zu fressen,
wir werden verhungern ohne Essen!“
Die Jagd begann – Mann gegen Maus,
doch der Erfolg blieb leider aus.
Es klappte nicht trotz aller Waffen,
die Mäuse sich vom Hals zu schaffen.

Groß war das Jammern, laut das Klagen,
nah die Verzweiflung, das Verzagen,
als endlich sagte ein Kind ganz besonnen:
„Komm, wir suchen Rat bei den Nonnen!
Wir fragen die Gertrud von Nivelles!
Die ist mit Hilfe immer ganz schnell!“

Und siehe da: Gertrud, die kluge, sie kam,
und die Geschichte ihre Wendung nahm.
Gertrud sprach: „Hier helfen nicht Katze und Kater,
hier hilft das Beten zum himmlischen Vater!
Die Mäuse fangen wir nicht mit Speck.
Wir beten die Schädlinge einfach weg!“

Sie rief die Gemeinde zur Anbetung auf,
die Leute verstanden’s und kamen zuhauf.
Sie beteten innig in ihrer Not
und bald war’n die Mäuse mausetot.
Rubbel die Katz und aus die Maus!
Jetzt ist Ruh in Dorf und Haus.
Essen ist reichlich im Topf und im Pott.
Gertrud sei Dank und Dank sei Gott!

Gertrudis-Gedicht als PDF hier